Stell Dir vor, wir bauen ein Dorf ohne Grenzen und Du machst mit.
Mit diesem Claim hat alles begonnen.
Am Anfang war das Wir-Dorf.
Das Wir-Dorf wurde unter dem Arbeitstitel “Der Westerwald ruft!” im Januar 2022 durch die LAG Westerwald-Sieg initiiert, durch das Kreativlabor HeartWire erzählt und umgesetzt und bis 2024 durch das Land Rheinland-Pfalz und die EU gefördert. Das Ziel: lebendige Begegnung in der Region Westerwald-Sieg. Verjüngung. Innovation. Standort-Marketing. In einer Zeit, in der die Vereinzelung im ländlichen Raum um sich greift, in der große Krisen und noch größere Konzerne den Einzelhandel platt machen, in der spontane menschliche Begegnungen als solche immer weniger werden, sollte das Wir-Dorf den Gegenentwurf wagen: Gemeinsam statt einsam! Teilen statt Besitzen! Verändern! Erfinden! Umnutzen! Ausprobieren! Leben! Menschen mit Pioniergeist sollten sich für die Region interessieren, vielleicht gar zuziehen, mit anpacken.
Es gibt viel zu tun hierzulande. Und wenn wir es tun, dann macht es auch Spaß, dann lebt es sich gut. Saugut sogar!
Digitale Lagerfeuer. Geh-Spräche im Wald. Denk-Fabriken im Wohnzimmer. Mini-Festivals im Garten. Begonnen haben wir Zuhause. Weil’s nicht anders ging. Und weil wir eben Platz haben auf dem Land!
Schnell traten weitere Menschen und Orte auf den Plan: der Graswurzelhof in Au(Sieg), der inzwischen den weltbesten Underground-Schuppen “Kulturhafen” betreibt, der Lenzhof in Röcklingen, der Rother Hof in Hamm(Sieg), der Schwarzpappelhof in Rott, das AKKU Haus in Bach, der Hof Kuppen in Halscheid (heute Buddhistisches Zentrum Taravana), die Crew aus Eulenbruch. Alles selbst-organisierte Initiativen, die wir bis dahin überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatten. Und sie sich gegenseitig (in großen Teilen) auch nicht.
Die Förderung durch LEADER beendeten wir mit einem Knall: dem Stadt-Land-Fluss-Festival 2024. Danach gab’s kein Halten mehr.
“Was die hier im Wendland machen, das funktioniert bei uns vielleicht auch!” So hat unser Nachdenken über Stadt-Land-Fluss angefangen, lange bevor wir ahnen konnten, dass wir es eines nahen Tages wirklich tun würden. 70 Programmbeiträge und diverse Zeitungs- und TV-Berichte später ist das Stadt-Land-Fluss Festival geboren. Ein selbst-organisiertes Festival von Vielen für Viele, über die Landesgrenze hinweg, zwischen Westerwald und Windeck. Und weil alle Gastgebenden in die volle Verantwortung gehen für ihren eigenen Programmpunkt, wird die Orga eines solchen Mega-Events plötzlich nicht nur möglich, sondern auch fluffig. Liebevoll. Detailverliebt. Divers. Demokratisch.
Und warum all die Flamingui?
Der Flamingo ist uns eher zufällig in die Hände geflattert. Beziehungsweise Anselm. In die Tasten. Und als er dann da war, machte er jeden Sinn.
Denn als Krafttier steht der Flamingo – man höre und staune: für die Liebe, die Harmonie, die Kraft der Gemeinschaft. Wenn das mal nicht Arsch auf Eimer ist – den nehmen wir doch gerne!
Seither verbreitet er sich zu unserer großen Zufriedenheit sehr beständig in der Region, wacht über Theken, hockt auf Köpfen, hängt an Häusern, wartet am Wegesrand.
Die Mehrzahl von Flamingo ist übrigens, genau: Flamingui. Haben wir undemokratisch so entschieden. Ist jetzt halt so.
Parallel dazu fanden wir endlich den Ort, nach dem wir schon lange gesucht hatten. Beziehungsweise: er uns. Und zwar genau in unserer Wir-Dorf-Mitte. Im Erdgeschoss des Bahnhofs Au(Sieg).
Begonnen hat die Intitiative zur Widerbelebung der seit rund einem jahrzehnt leer stehenden Räume dabei in Westerwald und Windeck gleichzeitig. Im Grenzland. Zwischen Steffen und Olesja vom Kulturhafen in Windeck-Au und Anna und Anselm von HeartWire in Wickedhausen. Gemeinsam forderten sie den Bürgermeister der VG Hamm(Sieg) und die Windecker Bürgermeisterin stellvertretend dazu auf, gemeinsam an einer Lösung des Problems zu arbeiten. Präsentierten ein Konzept. Und bahnten sich ihren Weg bis in die Manager-Riege der Deutschen Bahn.
Im April 2026 startet DIE STATION als Wohnzimmer für Kultur und Köstlichkeiten ihren Testbetrieb. In Kooperation mit der Gemeinde Windeck. Gefördert durch das Kulturministerium NRW im Programm Dritte Orte und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat im Programm “Soziale Dorfentwicklung”.
Wir sind nicht die Ersten. Und wir werden nicht die letzten sein.
Quer durch die Bundesrepublik machen Menschen vor, dass es geht: dass sich enkeltaugliche Zukünfte gestalten und leben lassen. Dass wir solidarisch miteinander sein, handeln und sogar wirtschaften können, wenn wir uns ernsthaft dafür entscheiden. Wir sind Viele!
Die Publikation ÜBER MORGEN des Netzwerks Zukunftsorte hat uns (und unseren Partnern aus der Verwaltung!) damals Mut gemacht, erste Schritte in neue Richtungen zu denken und zu gehen.
Ebenso der Ansatz des gemeinschaftsbasierten Wirtschaftens, den das Myzelium in seiner Publikation so anschaulich illustriert. Beide Werke möchten wir hiermit gerne digital an Dich weiterreichen.
Viel Spaß beim Stöbern!